Rundmail an meine Freunde

Die E-Mail ist irgendwie teilweise verspätet/nicht angekommen. Also hier nochmals!

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Hey Folks! 🙂

Wie geht es euch allen? 🙂

Seit letztem September war ich nur kurz in der Schweiz – den Rest der Zeit verbrachte ich in Canada und in den USA. Leider hatte ich wenig Zeit für meine Freunde – daher diese Rundmail! =) Ich erzähle einfach mal von Angfang an…

…August, letztes Jahr: Kurz nach der Lehre entschied ich mich, doch (noch?) nicht zu studieren. Wie ihr alle wisst, wollte ich schon immer Pilot werden. Nur klang das nie so ernst. Das lag wohl daran, dass ich nie von “Linienpilot”, sondern von “Buschpilot” sprach. Mein Ziel war jedenfalls plötzlich klar, ich wollte im Sommer 2011 fliegen lernen!
Als erstes brauchte ich dazu ein gutes Fundament, in anderen Worten, ein besseres Englisch. Es traf sich gut, dass ich im September nach Grande Praire (Alberta, Canada) in die Ferien ging. Ich besuchte Selina und machte mit ihr einen Roadtrip durch ganz Kanada. Nach dreieinhalb Wochen und 9660km cancelte ich meinen Rückflug und wohnte mit ihr in unserer ersten Wohnung. Ja, so schnell kanns gehen! =)
In den Wintermonaten war es eisig kalt. Jeden Tag lief meine Freundin 45 Minuten zur Arbeit und ich 25 Min. zum College in die Sprachschule. Es war selten wärmer als -20° Celsius. Im Januar war -30° üblich und tieferes möglich. Ab und zu kam von meiner Lehrerin eine E-Mail:

  • today’s weather and walking
    Hi Florian; I’m hoping that you turn your computer on this morning. The temperature this morning is -27, but the windchill is -38, so you might not want to walk to the college. If so, I completely understand. Joan

Das war ja schon fast ein Ansporn. 🙂 Wenn man sich richtig kleidet ist es nämlich kein Problem. Nur der Schal klebt, in der Wärme angekommen, noch 5 Minuten lang am Bart!

Februar: Der tiefe Dollarkurs verlockte zu einem Gitarrenkauf. Die Sprachschule, welche etwa gleichviel kostete, liess ich dann bleiben. Irgendwo musste ich ja sparen!
Doch ich nutzte die Zeit, die mir die Schule genommen hätte. Ich lernte täglich vier Stunden für die Piloten-Theorieprüfung in der Bibliothek von Grande Prairie. Es war ein schönes Gebäude. Neben einem künstlichen Kamin konnte ich lernen und ab und zu dem Schneetreiben hinter der Glasfassade zusehen. Während dieser Zeit war es in unserer Wohnung nur noch 13° Celsius. Ja, da schrie der Heizungsplaner in mir… Doch die Motivation, lieber die warme Bibliothek zu gehen, war durchaus nützlich.

März/April: Ich arbeitete wieder zwei Monate als Zivi im Naturnetz in Schlieren. Diesmal war die Arbeit sehr spannend. Ich lernte Kiesplätze und Trockenmauern zu errichten. Aus einer Wiese entstand eine Gastwirtschaft. Wer das Resultat sehen will, darf gern das Restaurant Zu den zwei Raben, im Kloster Fahr bei Schlieren, besuchen. 🙂

Mai/Juni: Zurück in Grande Prairie. Bei den Verwandten von Selina lernte ich reiten. =) Stellt euch eine Farm/Ranch im wilden Westen vor, dann habt ihr ein gutes Bild davon. Mein erster Ritt führte mich fünf Minuten durch einen Wald. Am nächsten Tag mussten wir, auf fünf Pferden, sieben Kühe von einem Feld zum nächsten Treiben. Eine Woche später, dasselbe mit 700 Kühen und ein paar hundert Buffalos. Aber diesmal auf Quads. 😉 Es machte Spass, die Kühe zu sortieren. Ich kam mir vor wie ein echter Cowboy…haha….=)
Apropos Cowboy. Ich kann euch nur empfehlen an ein Rodeo zu gehen. Innert 5.63 Sekunden ein Kalb mit dem Lasso zu fangen, vom Pferd zu springen und vier Beine zusammen zu binden, das ist wirklich sehenswerrt…! 😀
Ein weiterer Roadtrip folgte. Zusammen mit Selina und ihrem Bruder fuhren wir durch die Rocky Mountains. Neu für uns Schweizer: Täler und Berge ohne Häuser und Höfe. Nur Berge, Wald und Gestein, pure Natur! Auf den Strassen sahen wir Schwarzbären, Elche und Hirsche aus nächster Nähe.

In der Zeit bis heute verbrachte ich noch eine Woche mit Selina, bevor sie zurück in die Schweiz flog. Wir besuchten Vancouver und verkauften ihr Auto. Anschliessend gingen wir auf Vancouver Island. Die kleine Stadt Victoria gefiel uns beiden. Viele kleine und stylische Geschäfte für sie und viele kleine und grosse Buschflugzeuge für mich. Die Wasserflugzeuge starteten und landeten direkt in der Bucht der Stadt. =) Doch bevor ich abschweife…

Ich fand in der Nähe von Seattle, WA, eine Gastfamilie. Falls jemand Lust hat, einen Brief zu schreiben, das ist meine Adresse:
2210 – 146th Pl SW
Lynnwood, WA, 98087
United States of America

Endlich habe ich jetzt meine ersten Flugstunden! =) =) =) Ich lerne auf dem Flughafen Paine Field (KPAE) zu fliegen.
Heute habe ich mein Student Pilot Certificate erhalten und ich habe bereits 3h Flugerfahrung. Wie man einfach zwischen den Zeilen liest: Ich bin wahnsinnig stolz darauf. Gestern, in der letzten Lektion, bin ich das erste mal selbst gelandet und mein Fluglehrer will trotzdem noch mit mir fliegen… sieht doch gut aus bis jetzt? 🙂

Zukunft: Mindestens 37 Stunden muss ich noch fliegen bis zur Lizenz. Im August werde ich noch einige Flugstunden sammeln hier in Seattle. Im September bin ich für einen 50h-Kurs angemeldet um Wasserfliegen zu lernen. Dieser Kurs findet in Vancouver statt. Ich werde mich dort wie ein Buschpilot fühlen, wenn ich in den Seen und Flüssen von British Columbia landen und starten darf. Doch bis ich tatsächlich als solcher Pilot Geld verdienen kann, bis dahin geht es noch ein paar hundert Flugstunden.

In den nächsten drei Jahren werde ich also wieder in der Schweiz sein, um mir das nötige Kleingeld zu verdienen. Weiss bloss noch nicht wie, aber das ist Detail. 🙂 Bis dahin…

Happy landings!

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